Wasser in Schwäbisch Gmünd

Jahrhundertelang holten die Einwohner Schwäbisch Gmünds das benötigte Wasser vor allem aus gegrabenen Brunnen und vorhandenen Wasserläufen. Einige hölzerne Leitungen führten Quellwasser von außerhalb der Stadtmauer in die Stadt, darunter die mindestens seit dem 16. Jh. bestehenden öffentlichen Quellwasserleitungen zum Löwenbrunnen und Marienbrunnen. Der Chronist Dominikus Debler schätzte, dass in unserer Stadt um 1800 etwa jedes "dritte Haus einen eigenen Brunnen in Haus oder Hof besitzt. Ich wollte sicher 350 Hausbrunnen finden" (Chronica Bd.V/a). Viele Einwohner bezogen das Wasser aus Gemeinschaftsbrunnen.

Zeittafel

1862
Fünf Bierbrauer lassen eine private moderne Quellwasserleitung aus Eisenrohren vom Lindenfirst in die Stadt legen. 5 Feuerwehrhydranten werden eingebaut.

1864
Die hölzernen Teichel der öffentlichen Quellwasserleitungen vom Zeiselberg zum Löwenbrunnen und vom Becherlehen zum Marienbrunnen werden durch Gusseisenrohre ersetzt. Die Stadt verfügt jetzt über 15 Hydranten.

1883 
Unter dem Eindruck einer Anzeige des staatlichen Fleischbeschauers wegen hygienischer Mängel im Schlachthaus der Metzger, beschließen die Stadtvertreter, den hochangesehenen Staatstechniker für das öffentliche Wasserversorgungswesen, Oberbaurat Dr. v. Ehmann, zur Beratung in der städtischen Wasserversorgungsfrage nach Schwäbisch Gmünd zu berufen.

1884
Das 1876 erbaute neue Schlachthaus erhält zur Verbesserung der Sauberkeit eine zusätzliche Wasserzuleitung vom Becherlehen.

1885
Die vom württembergischen Staatstechniker v. Ehmann angeregten Bohrungen nach Grundwasser erbringen kein zufrieden stellendes Ergebnis.

1887
Für die "Straßdorfer-Waldstetter-Vorstadt" wird auf Verlangen der staatlichen Gesundheitsaufsicht ein öffentlicher Quellwasserbrunnen eingerichtet, der aus einer Quelle am Straßdorfer Berg gespeist wird.

1894
Wasserbautechniker Smreker aus Mannheim entwickelt das Projekt des Sickerstollens für Grundwasser in den Wiesen Unterm Buch.

Juli 1894
Das Wasser Unterm Buch wird physikalisch, chemisch, mikroskopisch und bakteriologisch untersucht. Das Ergebnis ist in jeder Beziehung günstig.

1895 
Beim Schacht- und Stollenbau des Wasserwerks Unterm Buch explodiert der Kessel einer Lokomobile (Dampfmaschine). Das Unglück fordert Tote und Verletzte.

1897 
Die Wasserversorgung Schwäbisch Gmünd durch das städtische Wasserwerk Unterm Buch beginnt. Die Baukosten belaufen sich auf rund 750.000 Reichsmark, die zu 95 % mit Darlehen gedeckt werden (entspricht nach der Währungesreform von 1948 einem Dahrlehen von rund 36.000 Euro). Die Nachfrage nach Hausanschlüssen ist groß. In das Rohrnetz werden Hydranten eingebaut, die aufgrund des Wasserdrucks leistungsstark sind. Die Anzahl der Hydranten in der Stadt steigt um das Zehnfache.

1898
Die staatliche Gesundheitsaufsicht verlangt den Anschluss des Schlachthofes an das neue Wasserwerk.

1926
Die Wasserlieferung der 1912 gegründeten Landeswasserversorgung (LW) nach Schwäbisch Gmünd beginnt. Die Stadt wird an die Falleitung angeschlossen, die vom Scheitelbehälter Osterbuch bei Aalen zum Endbehälter Rotenburg bei Stuttgart führt

1939
Die Technischen Werke der Stadt (Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerk und Stadtbad) werden in Stadtwerke Schwäbisch Gmünd umbenannt.

1945 - 1947
Schwäbisch Gmünd nimmt Tausende von Heimatvertriebenen auf. Der Wasserbedarf steigt. Trockenheit beeinträchtigt die Wassergewinnung. Es herrscht ein gefährlicher Versorgungsnotstand in Haushalt und Betrieb, in Krankenhaus und Schule.

Januar 1947
Das Innenministerium des Landes drängt auf eine "sofortige, gründliche und großzügige Erweiterung der Wasserversorgungsanlage".

April 1947
Der Gemeinderat beschließt den Bau einer zweiten Anschlussleitung an die LW.

November 1947 
Schwäbisch Gmünd verpflichtet alle männlichen Einwohner von 16 bis 60 Jahren zum Gemeindedienst beim Bau der neuen Anschlussleitung an die LW, die vom LW-Strang auf der Gemarkung Straßdorf zur Waldstetter Brücke führen soll.

8. August 1948
Der zweite Anschluss des städtischen Wasserrohrnetzes an die LW, der nach dem damaligen Oberbürgermeister Czisch auch als "Czisch-Linie" bekannt ist, wird offiziell in Betrieb genommen.

April 1959
Die Stadtwerke Schwäbisch Gmünd übernehmen die Wasserversorgung des eingemeindeten Stadtteils Bettringen.

1965
Der Zweckverband Landeswasserversorgung wird als Nachfolgeeinrichtung der bisherigen staatlichen LW gegründet. Die Stadt Schwäbisch Gmünd ist von Beginn an Verbandsmitglied.

1969 bis 1976
Das Versorgungsgebiet der Stadtwerke wächst. Sie übernehmen die Wasserversorgung der eingemeindeten Stadteile: Herlikofen: 1.1.1969 / Bargau: 1.1.1971 / Weiler i. d. B.: 1.1.1971 / Degenfeld: 1.1.1971 / Lindach: 1.1.1972 Großdeinbach: 1.1.1973 / Straßdorf: 1.1.1973 / Rechberg: 1.1.1976

Januar 1980
Das Wasserwerk Unterm Buch muss wegen Verschmutzung durch Chlorkohlenwasserstoffe geschlossen werden. Damit fällt die größte Förderanlage für Eigenwasser aus.

1985 
Eine Wasserhaupteinspeisungsleitung wird von der Versorgungszone Gügling entlang der Buchauffahrt bis zum bestehenden Netz im Mühlweg verlegt, um die Versorgungssicherheit im Bereich der Kernstadt zu erhöhen.

1987
Inbetriebnahme der Druckreduzierungsanlage Buchauffahrt. 100 m Druckgefälle vom Hochbehälter Lauchhof zur Reduzieranlage Buchauffahrt werden über rückwärtslaufende Pumpen abgebaut. Die Pumpen treiben jeweils einen Generator zur Stromerzeugung an: Elektrische Leistung: Generator I ca 56 kW, Generator II ca. 26 kW. Jährlich erzeugte elektrische Arbeit ca. 400.000 kWh (entspricht dem Bedarf von ca. 90 4-Personen-Haushalten/Jahr)

2001
Gründung der Ostalbwasser West GmbH. Die Stadtwerke übernehmen Dienstleistungen im Bereich Wasser- und Gasversorgung sowie Abwasserentsorgung für umliegende Gemeinden und Zweckverbände.